Skip to main content

Soziale Probleme und Verbrechen

Im Bern des 16. Jahrhundert war die Landwirtschaft der ökonomische Leitsektor, schätzungsweise waren 80–90% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. 
In der Mitte des 16. Jahrhundert kam es jedoch in Folge von klimatischen Veränderungen zu einem Einbruch in der Landwirtschaft. Schneereiche Winter und sich abwechselnde Perioden von Überschwemmungen und Dürre führten zu schlechten Ernten, was dazu führte, dass die Bauern nicht mehr genügend Winterfutter für ihr Vieh produzieren konnten. Zusätzlich litt das Vieh auch direkt unter den schlechten klimatischen Bedingungen. Viele Bauern konnten somit ihren Viehbestand nicht mehr halten, was mit sich brachte, dass Arbeitstiere fehlten, mit deren Hilfe die Äcker angebaut wurden. Viele Äcker blieben in der Folge leer, wodurch die Erträge noch mehr zurückgingen. Zusätzlich wurden die Erträge auch dadurch geschmälert, dass durch den Rückgang an Vieh weniger Dünger produziert wurde.

Diese Krise der Landwirtschaft war ein wichtiger Grund, weshalb viele Menschen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in der Landwirtschaft keine Existenzgrundlage mehr fanden und sich gezwungen sahen, vom Land in die Stadt zu ziehen, in der Hoffnung, dort ihr Auskommen zu finden. 

Die Stadt jedoch bot den meisten der Zuzügler keine legalen Erwerbstätigkeiten, da das Ausüben eines ehrbaren Berufs und die damit verbundene Zugehörigkeit zu einer Zunft den Stadtbürgern vorbehalten war. Dies führte dazu, dass Bettelei, aber besonders auch Kriminalität besonders unter den armen Menschen in der Stadt in dieser Zeit sehr hoch war. Besonders die Anzahl an Diebstählen nahm stark zu. Dass Diebstahl ein grosses Problem war zeigt sich auch daran, dass für das vergleichsweise wenig schwerwiegende Delikt schwere Strafen ausgesprochen wurden. Wenn ein Dieb zum ersten Mal erwischt wurde, wurde er gebrandmarkt und verbannt. Bereits beim zweiten Mal drohte jedoch die Todesstrafte, die in Bern auch sehr oft aufgrund von Diebstahl ausgesprochen wurde: 121 Mal wurden Diebe im Zeitraum von 1560–1798 mit der Todesstrafe bestraft. 

Während Diebstähle das häufigste Verbrechen im Bern des späten 16. Jahrhundert darstellten, waren selbstverständlich weitere Delikte bekannt. Diese lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen: 

  • Monetäre Straftaten
    • Betrug
    • Diebstahl
    • Schulden
    • Fälschung
  • Gewaltverbrechen
    • Totschlag
    • Mord
    • Schlägerei
  • Sittlichkeitsverbrechen
    • Ehebruch
    • Hurerei
  • Verbale Verbrechen
    • Beleidigung
    • Lügen
  • Hexerei und Ketzerei


Als Gefängnis für die Verbrecher*innen diente in Bern der Käfigturm, der in den Jahren 1641–1644 erbaut wurde. Die Inhaftierten verblieben dort, bis das Urteil ihres Prozesses feststand. Die Prozesse der Gefangenen wurden protokolliert und in den sogenannten Berner Turmbüchern festgehalten. Die Exemplare aus den Jahren 1545–1747 sind beinahe vollständig überliefert.